Ayurvedische Kuren und Behandlungen
Ayurveda ist ein traditionelles, ganzheitliches Heilsystem, das seit Jahrtausenden in Indien entwickelt und praktiziert wird. Eine Ayurveda-Kur basiert, wie Ayurveda selbst, auf den Lehren der Vedischen Texte und beinhaltet sowohl philosophische Elemente aus Hinduismus und Buddhismus als auch Yoga-Bestandteile. Im Gegensatz zu den meisten anderen medizinischen Systemen versteht sich Ayurveda als eine ganzheitliche Lehre, die neben allgemeinem Lebenswandel und Körperpflege auch Ernährung und Heilung lehrt. Durch die Schaffung des seelischen und körperlichen Gleichgewichts möchte diese Naturtherapie erreichen, dass der Mensch sich rundum wohl fühlt.
Nach ayurvedischer Lehre besteht der Mensch aus fünf Elementen, die nicht nur die körperliche Konstitution, sondern auch seinen Charakter und momentanen Zustand bestimmen. Weil dreien dieser Elemente in diesem Prozess eine herausragende Rolle zugeschrieben wird, fokussiert sich Ayurveda auf diese so genannten Tri-Doshas: Vatta (Luft), Pitta (Feuer) und Kapha (Erde), die damit Kernelement der Ayurveda-Kur sind. Die persönliche Körper- oder Dosha-Kostitution bestimmt den idealen Tagesablauf, die Ernährung, sportliche Aktivitäten und medizinische oder kosmetische Behandlungen.
Wie wichtig Vatta, Pitta und Kapha im Ayurveda sind, zeigt sich nicht zuletzt in der Ernährung. Eine Person, die überwiegend Kapha (Erde) ist, leidet meist unter Übergewicht und sollte leichte, fettarme Kost und wenige Mahlzeiten bevorzugen. Ein Pitta-Mensch muss dagegen darauf achten, eher mehrere kleinere Mahlzeiten einzunehmen, die mild gewürzt sind. Der Grund: scharfe Gewürze fachen das innere „Feuer“ zu stark an, was zu Magenproblemen führen kann. Vatta-Menschen hingegen sollten vor allem leicht Verdauliches essen, um nicht zu viel „Luft“ zu produzieren – dieses Element leidet am schnellsten unter falscher Kost.
Die Tri-Doshas bestimmen neben der menschlichen Konstitution auch die Beschaffenheit von Lebensmitteln, Medikamenten oder Aktivitäten. Sie können unter anderem kalt, warm, schwer und leicht sein und dadurch bestimmte Doshas fördern oder eindämmen. Daraus ergibt sich eine Einteilung von Speisen, Kosmetika, Ölen oder Sportarten nach ihrer Eignung für Kapha, Vatta oder Pitta. Auch die Tageszeiten lassen sich unterscheiden nach den Abschnitten, in denen ein bestimmtes Dosha überwiegt: Beispielhaft steht dabei die Mittagszeit für Pitta, das Feuerelement, wenn die Sonne ihren Höchststand hat. Auch menschliche Eigenschaften und Charakterzüge gehören bestimmten Doshas an: Trägheit und Ausdauer etwa lassen sich Kapha zuordnen, Wut und geistige Wachsamkeit Pitta, Stimmungsschwankungen und schnelles Denken Vatta.
Basierend auf der Lehre der Tri-Doshas wird jede Ayurveda-Kur vollkommen auf das Individuum abgestimmt, denn Ayurveda legt großen Wert auf die Tatsache, dass jeder Mensch eine einmalige und einzigartige Dosha-Kombination hat. Daher entscheiden in unseren Resorts die leitenden Ayurveda-Ärzte nach einer eingehenden Eingangsuntersuchung über die genaue Art der Ayurveda-Kur und Behandlungen sowie über den persönlichen Ernährungsplan. In vielen Resorts werden Sie bei dieser Erstkonsultation zusammen mit Ihrem Arzt einen Fragebogen ausfüllen, der Ihre medizinische Geschichte sowie die aktuelle Körperkonstitution und Lebensgewohnheiten umfasst. Daneben notiert der Arzt unter anderem äußerliche körperliche Merkmale und stellt anhand einer Pulsdiagnose Ihren Körpertyp fest.
Aufgrund der unterschiedlichen geschichtlichen Entwicklungen und historischen Einflüsse, sind in Indien die Übergänge zwischen Yoga und Ayurveda eher fließend und Yoga-Übungen werden oft ergänzend zur Kur eingesetzt. In Sri Lanka dagegen sind eigene, auf ayurvedische Vorstellungen basierende Formen der Akupressur und Akupunktur entstanden, die Teil Ayurveda-Kur bilden. Oft wird die Kur dann mit Tai Chi anstatt Yoga ergänzt.
Kurbeschreibungen
Die bekanntesten Kuren und Behandlungsformen des Ayurveda im Überblick:
Panchakarma-Kur
Die klassische Panchakarma-Kur ist wohl die bekannteste und intensivste Ayurvedakur. Manchmal wird sie auch als "Detoxification Therapy" oder einfach "Reinigungskur" bezeichnet. "Panchakarma" bedeutet "fünffache Reinigung", da der Körper auf fünf verschiedene Arten gesäubert werden kann. Welche der Reinigungsarten angewendet wird, hängt von der individuellen Konstitution und der medizinischen Geschichte des Patienten ab und wird vom Arzt während der Eingangsuntersuchung festgelegt. Gereinigt wird der Körper sowohl von wasser- als auch fettlöslichen Schlacken, weshalb für den Vorgang neben Wasser auch Fett in Form von geklärter Butter ("Ghee") eingesetzt wird.
Eine Panchakarma-Kur empfiehlt sich insbesondere bei chronischen Krankheiten (Störungen des Verdauungssystems, Nervosität und Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Migräne, Neurodermitis und andere Hauterkrankungen, Herz- und Kreislaufbeschwerden, Arthritis, Allergien und Rückenschmerzen), Stress- und Burnout-Syndromen sowie nach schweren medizinischen Eingriffen.
Die Panchakarma-Kur besteht aus drei Schritten: In der ersten Phase wird der Körper durch Ölmassagen und eine Ernährungsumstellung sowie teilweise ayurvedische Medikamente vorbereitet. Ziel ist es, Schlacken im Gewebe zu lösen. Dieser Prozess kann eine Woche oder sogar länger dauern. Der behandelnde Arzt erkennt an verschiedenen Zeichen, wann der Körper für den nächsten Schritt, die eigentliche Reinigung, bereit ist. Das Ausspülen der Giftstoffe erfolgt oft über Abführen oder Erbrechen. Diese Behandlung dauert meist einen vollen Tag und verlangt dem Körper einiges an Energie ab. Der letzte Teil der Kur ist die Verjüngung. Massagen und wohltuende Bäder verleihen dem Körper neue Kraft und harmonisieren den Geist.
Für eine Panchakarma-Kur sollten Sie sich mindestens 14, besser 21 Tage Zeit nehmen, insbesondere wenn eine bestimmte Vorerkrankung vorliegt.